02.06.2010  ·  Zurück
 
Der 240. Berg ist „beerdigt“
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Während Oberbürgermeister Siegfried Balleis mit dem Taschentuch von der Bühne winkt, ziehen die Festwirte mit Pickel und Schaufel sowie Thomas Fischer als Priester verkleidet mit dem Fass auf den Berg, um es zu begraben.
Foto: Klaus-Dieter Schreiter

Das Fass ist begraben, die 240. Erlan­ger Bergkirchweih ist beendet. Selbst das miserable Wetter hatte die einge­fleischten Bergfans nicht davon abhal­ten können, dem letzten Fass ein wür­diges Geleit zu geben.

Mächtig melancholisch

Dabei war es eigentlich wie immer, wenn das Fass begraben wird — schön traurig, mächtig melancholisch. Die alten und neuen Freunde werden ein letztes Mal umarmt, und Oberbürger­meister Siegfried Balleis lässt die Abschiedshymne von der Lili Marleen anstimmen. Danach ziehen die Erich-Festwirte mit dem letzten Fass Bier durch die mit weißen Tüchern winken­den Bergfans, und die Kapelle into­niert zur Melodie von „God save the queen“ die fränkische Version von „Blutwurst mit Sauerkraut“.

Und natürlich wird an diesem Abend der Berg verlängert, zumindest für die halbe Stunde, die für das Ver­buddeln des Fasses benötigt wird. Am Grabesrand herrscht dann ein mächti­ges Gedränge, wenn die Helfer das Grab ausheben, wenn der als Priester verkleidete Festwirt Thomas Fischer mit der Klobürste das Bier verspritzt, und wenn die letzten Maßen erst ange­trunken und dann auf das in der Erde liegende Fass geschüttet werden. Erst wenn dass alles vorbei ist und die Mannschaft wieder vor den Keller gezogen ist, ist die Kirchweih wirk­lich vorbei. Dann gehen zumindest am Erich-Keller abrupt die Lichter aus, und während sich die Pärchen in den Armen liegen, geraten sich ein paar Unverbesserliche in die Haare.

Trotz des Sauwetters hatten sich Prominente wie Ex-Siemens-Chef Heinrich von Pierer, Ex-Vorstandsmit­glied Klaus Wucherer, lokale Wirt­schaftsgrößen und Bayerns Innenmi­nister Joachim Herrmann nicht abhal­ten lassen — erst wurde von Horst Köh­ler „Abschied“ genommen, dann vom Berg.

OB und Bergreferent Konrad Beu­gel zogen eine letzte Bilanz, die weni­ger trunkene Jugendliche, aber mehr trunkene Autofahrer verzeichnete. Und mit der verkürzten Nacht für den After-Berg haben sich wohl die meis­ten jungen Besucher abgefunden.

kds, Erlanger Nachrichten

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